Die Situation
Am 30. Juni 2024 endete der offizielle Support für CentOS 7. Das bedeutet: keine
Sicherheitsupdates mehr, keine Bugfixes, kein offizieller Ansprechpartner von Red Hat oder
der CentOS-Community. Wer noch auf CentOS 7 läuft, betreibt ab diesem Zeitpunkt ein
aktives Sicherheitsrisiko.
Trotzdem laufen zum Zeitpunkt des Artikels noch tausende produktive Server auf CentOS 7.
Die Gründe sind bekannt: Migrationen kosten Zeit, Geld und Nerven – besonders wenn die
Systeme eng miteinander verflochten sind und kein klares Inventar existiert.
Welche Optionen gibt es?
1. AlmaLinux (meine Empfehlung für die meisten Fälle)
AlmaLinux ist ein binärkompatibles Drop-in-Replacement für RHEL 9. Die Migration von
CentOS 7 ist gut dokumentiert, Ansible-Rollen existieren, und die Gemeinschaft ist aktiv.
Für die meisten Workloads ist der Migrationsaufwand überschaubar.
2. Rocky Linux
Ebenfalls RHEL-kompatibel, ähnlicher Ansatz. Die Wahl zwischen AlmaLinux und Rocky Linux
ist oft eine Präferenzfrage – beide sind legitime Optionen.
3. Debian oder Ubuntu LTS
Wenn der Workload eh containerisiert ist oder stark auf open-source Pakete setzt,
kann ein Wechsel zu Debian/Ubuntu sinnvoller sein. Der Migrationsaufwand ist größer,
da keine binäre Kompatibilität besteht.
4. Extended Lifecycle Support (ELS)
Anbieter wie TuxCare bieten kostenpflichtige Sicherheitsupdates für CentOS 7 an.
Das ist eine Brückenlösung, keine Dauerlösung.
Wie läuft eine Migration typischerweise ab?
1. Inventarisierung: Welche Server laufen auf CentOS 7? Welche Pakete, Dienste, Konfigurationen?
2. Priorisierung: Welche Systeme sind kritisch? Welche haben wenig Abhängigkeiten?
3. Testumgebung: Erst in nicht-produktiven Umgebungen migrieren, Probleme identifizieren.
4. Automatisierung: Mit Ansible lassen sich Migrationen reproduzierbar und parallel durchführen.
5. Rollierendes Rollout: System für System, mit Rollback-Option bis zur Bestätigung.
6. Validierung: Monitoring, automatische Tests, manuelle Verifikation nach der Migration.
Häufige Stolperfallen
- –Drittanbieter-Software: Alte RPM-Pakete funktionieren auf RHEL 9 oft nicht mehr.
Prüfen Sie vor der Migration, ob Ihre Software AlmaLinux 9 unterstützt.
- –Fehlende Dokumentation: Viele Systeme haben keine Dokumentation. Der Migrationsaufwand
hängt stark davon ab, was auf dem System wirklich läuft.
- –Kein Inventar: Ohne aktuelles Inventar ist die Planung ein Blindflug. Ansible Facts
helfen hier enorm.
Fazit
CentOS 7 End-of-Life ist kein hypothetisches Risiko mehr – es ist eingetreten. Wer noch
nicht migriert hat, sollte das priorisieren. Für die meisten Umgebungen ist AlmaLinux 9
die pragmatischste Option. Mit der richtigen Automatisierung ist auch eine große Migration
handhabbar.
Bei Fragen oder Bedarf an Unterstützung – schreiben Sie mir.